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ausschnitt von screenshot askacurator

Twitteraktion Ask a Curator


Gestern beteiligten sich über 340 Museen aus 23 Ländern an der Twitteraktion “Ask a Curator”. Der Blogpost von artinfo24.com fasst es gut zusammen und bewertet auch die Teilnahme der deutschen Museen.

Ich fand es sehr interessant, Fragen zu stellen und auch die Antworten der anderen Teilnehmer zu lesen.
Gut finde ich es im Nachhinein auch die Fragen und Antworten an das Museum für Kommunikation auf facebook und die Antworten des San Diego Museum of Art zu lesen.

Auf meine Frage “Art museums offer smartphone apps. Why not history museums?” lernte ich drei weitere Smartphone Apps kennen.

Und weitere Museen

“What is the most effective way to get feedback from your visitors?”
Sehr spannend finde ich die Antworten des Minneapolis Institute of Arts. Die Institution nutze verschiedene Möglichkeiten persönlich und über Medien mit den Besuchern in Kontakt zu treten. Und die Besucherforschung sei die Aufgabe mehrerer Abteilungen.

Das Museumsdorf Kürnbach und das Worcester Museum in England haben geschrieben, dass sie vor allem mit den Besuchern sprechen und auch Umfragen machen würden.
Das NRW-Forum Düsseldorf meinte zum Thema Feedback der Besucher, dass sie ihre facebook-Seite dafür nutzen. Das sieht man gut wenn man das NRW Forum auf der facebook-Seite besucht.

#askacurator – bis zum nächsten Mal.

Mir ist beim Schreiben über die MoMA App aufgefallen, dass auch in Deutschland die Kunstmuseen Vorreiter sind was die Entwicklung von Angeboten für Smartphone-Nutzung betrifft.

Warum gibt es keine App für Geschichtsmuseen oder kulturhistorische Institutionen?
Was könnten die Gründe sein?

  • es fehlt ein Konzept für Apps
  • der Mehrwert ist nicht klar
  • die Besucherzahl ist zu gering
  • zu wenig direkte Nachfrage nach einer App
  • positive Erfahrungen mit Multimedia Guides
  • Führungen durch Museumspädagogen sind vorrangig
  • inhaltliche Gründe
  • Produktionskosten

Warum entscheiden sich Institutionen im Kunstbereich für eine App wie z. B. das NRW-Forum?

Wer ein Smartphone hat möchte eine App

Die Erwartungen der Besucher lenken Entwicklungen – das ist die Erfahrung aus dem Brooklyn Museum. Shelley Bernstein, Chief of Technology at the Brooklyn Museum schreibt dazu auf dem Blog des Museums über die Entscheidung zusätzlich zur einer auf mobile Geräte abgestimmte Website auch eine App zu entwickeln:

I was floored at how much confusion was created just simply getting people to open their mobile browser. Once we’d get through that, the idea of bookmarking it to the home screen was even more foreign. At almost every turn, visitors were expecting an app.

Ein sehr wichtiger Gedanke – Menschen nutzen einfache und direkte Lösungen und dies ist bei der Kommunikations-Strategie zu berücksichtigen. Und den Besuchern kommt das Museum mit einem solchen Angebot entgegen.

Noch eine Bemerkung: Shelley Bernstein wird dieses Jahr auf der stART.10 zum Thema „Engaging Community at the Brooklyn Museum” sprechen.

Die wichtigen Veränderungen: Mobile Web und Social Media

Wie reagieren Museen und Kulturinstitute auf die Bedürfnisse der Besucher? Wie werden Museumsbesuche aussehen wenn die Vermittlung und Kommunikation mit den Besuchern über deren Smartphones und Handys vor Ort gestaltet wird?

2008 fand die erste Handheld Conference in der Tate statt. Das zweite Symposium zu Trends und Technologie im Museum, das diesen September in der Tate Modern veranstaltet wird, fokussiert die Möglichkeiten des mobilen Internet und Social Media. Auf welche Besucher werden sich Museen einstellen müssen? Was sind die Chancen?
Eine Hinweis auf das Symposium habe ich bei Audience+ gelesen, eine empfehlenswerte Website zu einem Forschungsprojekt über die Nutzung von Web 2.0 für die Museumsarbeit.

Symposion in der Tate Modern

Museums and Mobiles in the Age of Social Media

Almost everyone has a mobile in their pocket, but are museums ready to communicate with their audiences in this way? This symposium is for museum workers who want to know more about how the new generation of mobile devices can benefit their institutions, and for developers wanting to get up to speed with the latest thinking in this area. Museum professionals from around the world with in-depth experience in mobile content design, development and evaluation lead the day’s discussions.
(Tate modern)

Die Zukunft mit Smartphones

Handys sind alltägliche Gebrauchsgegenständ, heute hat fast jeder eines ständig dabei – Smartphones sind auf dem Vormarsch wie eine Studie, die im Auftrag von Otto Group und Google durch TNS Infratest und Trendbüro durchgeführt wurde feststellt.

Die steigende Anzahl der Smartphones wird den Medienalltag in den nächsten zwei Jahren dynamisieren, ihn flexibler und interaktiver machen. Im Hinblick auf die gesamte Mediennutzung wird der Gebrauch mobiler Endgeräte vor allem die Internetnutzung der Deutschen erhöhen.
(…) Im Jahr 2012 besitzt bereits jeder vierte Deutsche ein Smartphone.
(Trendbüro)

Ich meine, die Museen haben noch Zeit sich mit diesen Themen auseinander zu setzen und gute Lösungen zu finden.
Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung von Kommunikation und Vermittlung ist die Besucherforschung und die Einbindung des Besuchers durch Social Media.

Der Werbespruch klingelt in den Ohren – “Es gibt für fast alles eine App!” Und eben auch für Museumsbesuche. Im iTunes Store findet man eine Bandbreite an Apps mit Museumsinhalten.

Was bieten Museum Apps? Welche Rolle spielen sie bei der Vermittlung? Können sie den Audioguide im Museum erweitern, ersetzten oder wird eine andere Richtung eingeschlagen. Wie ist der Trend?
Mein Beispiel ist das Museum of Modern Art.

Die MoMA App

Seit dem 12. August hat das MoMA ihre neueste Smartphone-Applikation in den iTunes Store gestellt. Sie ist für iPod, iPhone und Android.
Die App ist in fünf Menüpunkte gegliedert

  • Calendar – der Programmüberblick, Verknüpfung auf Facebook und Twitter
  • Tours – Führungen für verschiedene Besuchergruppen.
  • Art – Index und Datenbanken zu Fachbegriffen, Künstler, einzelnen Werken und der Sammlung.
  • Info – Informationen zum Ausstellungsbesuch, Öffnungszeiten, Ausstellungsräume, Cafe usw.
  • More – Web 2.0 Komponente, Musik, Podcasts, Videos. Man kann eigene Fotos als Postkarten verschicken.

Es gibt sechs Führungen mit ganz unterschiedlichen Formaten für die Dauerausstellung, für Sonderausstellungen und über die Sammlung. Darunter sind Podcasts von Jugendlichen, Vorträge im Stil von Pecha Kucha, eine Kinderführung, Bildbeschreibungen, Kommentare von Künstler, Kuratoren und anderen Beteiligten.

Diese Führungen sind Bestandteil des Audio-Programms, das auf weiteren Plattformen abgespielt werden kann.

  • auf geliehenen Abspielgeräten des MoMA
  • als Download auf MP3 Player oder Computer
  • über MoMA WiFi können die Führungen auf WiFi-fähigen Geräten mit Webbrowser gehört werden (PDA, Handy, Tablet) – damit besteht nicht die Einschränkung auf Apple-Produkte.

Bis auf die Podcasts und die Kurzvorträge sind die Führungen in Zusammenarbeit mit Acustiguide erstellt worden. Das merkt man auch bei einigen Einführungen, wenn die Nutzung des Gerätes für den Audioguide erklärt wird, was bei der Führung auf dem eigenen Gerät vielleicht etwas verwirrend sein kann.

Tours der MoMA App ist wie bei MoMA WiFi damit eine Mehrfachverwertung bereits produzierter Inhalte. Auf dem Display können auch Nummern eingetragen werden um weiterführende Informationen und Verknüpfungen mit anderen Formaten zu erstellen. Ein Beispiel ist zu hören am Ende des Beitrags über Umberto Boccioni (siehe Video) wenn eine Nummer angegeben wird, die überleitet zu Modern Voices wo Kuratoren und Künstler über die Sammlung sprechen.
Diese verknüpften Inhalte sind meiner Meinung nach auch ein Mehrwert gegenüber den Downloads, wo die Hinweise auf die Nummern im Hörtext mitgeliefert werden, aber nicht eingetragen oder angeklickt werden können.

Ein Mehrwert der App gegenüber den anderen Plattformen ist denke ich mehr bei Aspekten der Sozialen Netzwerke und des Marketing zu finden. Im App Store vertreten zu sein hat Vorteile und nicht zu unterschätzen ist auch das Ranking.

Eine Platzierung in den Downloadcharts im App Store ersetzt komplette Werbekampagnen.
(Smartphone-Applikationen im Museumsbereich, S. 44.)

Der Vergleich mit MoMA WiFi macht deutlich, dass die App sehr viel besser an die grafische Benutzeroberfläche angepasst ist.

Die App ist umfangreich und informativ, sieht gut aus und ist bei meinen ersten Tests subjektiv gut bedienbar. Ich kann mir gut vorstellen meinen Museumsbesuch damit zu begleiten.

Tagwolke zum Thema Schätzen: Schätzen, Überschlagen, Kalkulation, Erfahrungswert,Stichprobe,...
Um eine Zeitplan, ein Konzept, einen Workflow, ein Budget oder ein Angebot zu erstellen muss man schätzen und überschlagen. Oft sind Schätzungen die ersten Zahlen mit denen geplant wird und der Erfolg eines Projektes hängt an dieser Abschätzung und Grobkalkulation.

Wer will sich schon verschätzen?

Unbekannte Größen – Schätzen bei Erstinventarisierung

Im Alltag spricht man von Schätzung, wenn das Ergebnis auf raschem Weg nach dem Augenschein, mit Intuition und mittels Erfahrung bestimmt wird – “Pi mal Daumen”.
Genauer ausgedrückt, ist eine Schätzung die intuitive Zahlenangabe oder Bewertung von messbaren (meist physikalischen) oder zählbaren Größen.

Bei einer Erstinventarisierung hat man oft keine genauen Zahlen wie viele Objekte und Artefakte zu einer Sammlung gehören oder man hat Zahlenangaben bei denen man nicht sicher ist wie genau sie sind, woher sie stammen und ob sie als Grundlage dienen können. Oder ob die überlieferte Dokumentation sogar in die Irre führt.

In einem solchen Fall muss man für ein Inventarisierungskonzept die Zahlen der Objekte und Objektgruppen abschätzen um den Ablauf sowie den zeitlichen wie auch materiellen Umfang der Inventarisierung planen zu können. Dabei helfen eigene Erfahrungswerte, gut dokumentierte Projekte und vergangene Schätzungen.

Eine wichtige Hilfe für die Schätzung sind Stichproben

Die Bezeichnung Stichprobe kommt aus dem Warenhandel. Auf Märkten wurde beispielsweise in Säcke mit Kaffee oder in einen Käselaib hineingestochen und damit die Qualität des “Stichs” überprüft.
Eine Stichprobe ist damit eine Teilmenge einer Grundgesamtheit, die unter bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt wird und durch die man sinnvoll auf eine Grundgesamtheit schließen möchte.
Im mathematischen Sinne können Stichproben im Bezug auf eine bestimmte Frage “gut” und repräsentativ sein – aber sie geben keine grundsätzlichen Aussagen oder sind auf eine andere Frage übertragbar.

Beispiel: Beliebige 25 Briefmarken einer Briefmarkensammlung sind als Stichprobe zur Ermittlung des Gewichts repräsentativ. Die gleichen Menge ist aber in Bezug auf den Wert der Sammlung sicher nicht repräsentativ.

In Sammlungsobjekte wird natürlich nicht hineingestochen um Stichproben zu ermitteln. Die Schätzungen beziehen sich beispielsweise auf Größe, Anzahl, Gewicht und Volumen.

Ermittlung der Anzahl durch Volumenschätzung – ein Praxisbeispiel

Wir hatten einmal mehrere Kisten und Körbe voll mit Stempel zu verzeichnen. Um eine Größenordnung für die Menge der Stempel zu schätzen hatte wir zuerst “Pi mal Daumen” geschätzt. Das Ergebnis war nicht sehr genau und wir haben die zweite Schätzung basierend auf einer Stichprobe mit Volumenschätzung gemacht.

Waschkorb gefüllt mit Stempel

Stempelsammlung

Dafür haben wir eine Pappschachtel mit einer Stichprobe der Stempel gefüllt und danach die Anzahl der Stempel gezählt, die in diese Schachtel gepasst haben. Wir haben dann das Volumen der Schachtel und das Volumen der Kisten und Körbe berechnet und dadurch eine, wie sich später rausstellte, sehr gute Abschätzung bekommen.

Im Fall der Stempel war die Wahl der Stichprobe recht einfach weil es eine homogene Menge war und die Größenverhältnisse nicht so stark variierten. Für andere Fälle bei denen eine Stichprobe weniger repräsentativ ist wiederhole ich die Stichprobe mehrmals und nehme den Durchschnitt als Anhaltspunkt.

Mit Testläufen den Zeitaufwand schätzen

Um den Zeitplan und den Workflow gut zu planen kann ich aus eigener Erfahrung empfehlen, Testläufe zu machen und dabei die Zeit stoppen, die gebraucht wird für einen ganzen Durchlauf.
Am besten sollten die Testläufe vollständig gemacht werden und unter realen Bedingungen.
Wichtig ist, auch bei Testläufen repräsentative Stichprobe zu wählen und eine vorher definierte Anzahl der Durchläufe zu machen.

Der Zeitaufwand wird geschätzt nach Auswertung der Testläufe. War die zeitliche Streuung gross oder nicht? Bei grossen Streuungen muss man vorsichtig sein, da kann eine Schätzung schnell daneben gehen. Lieber mit Ober- und Untergrenzen rechnen und nicht genauer sein als man wirklich kann!

Erfahrungen dokumentieren hilft bei späteren Schätzungen

Wie immer sind Erfahrungen auch beim Schätzen unbezahlbar. Auch wenn es erst einmal ein Mehraufwand ist, die Schätzungen und Kalkulationen mit den Methoden, die man angewendet hat, gut zu dokumentieren – es lohnt sich! Man kann die Schätzung dann den später ermittelten konkreten Zahlen entgegensetzen und hat Zahlen zur Beurteilung des Projektablaufes.

Als Erinnerungsstütze sind Arbeitsfotos der Ausgangslage hilfreich, die meinen ersten Eindruck vor der Inventarisierung festhalten, die Objekte wie ich sie vorgefunden habe, den Zustand der Räume und Ablagesysteme. Handyfotos reichen dafür aus.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Ich bin sehr interessiert an anderen Beispielen und freue mich auf Ihre Kommentare.

Ausstellung im Werkbundarchiv -Museum der Dinge

Funktionsprinzipien der Dinge


Ein Beispiel wie die Beschäftigung mit gesammelten Objekten eigene Ideen fördert, ist die Sammlung Funktionsprinzipien der Dinge von Tim Brauns.

Tim Brauns sammelt seit 20 Jahren Alltagsgegenstände und Werkzeuge, die er auf Flohmärkten findet, und nutzt sie als Inspirationsquelle für seine Designentwicklungen. Eine Auswahl seiner Sammlung wird bis 26. April 2010 in den Räumen des Werkbundarchivs – Museum der Dinge präsentiert, darunter Kleiderbügel mit verschiedenen Klapp-Prinzipien, mit Bürsten und Taschen bis hin zum aufblasbaren Plastikkleiderbügel.
Brauns interessiert Gestaltungsprinzipien, Herstellungverfahren und Material. Jedes dieser Objekte hat seine eigene Geschichte, ablesbar an Produktname, Marke, Nutzung, Entstehungszeit, Ästhetik, Hersteller.

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge stellt diese Sammlung aus, um im Vergleich mit den Museumsbeständen die verschiedenen bzw. ähnlichen Sammlungsinteressen und Ordnungsprinzipien erkennbar zu machen.
(Museum der Dinge)

Für mich hat die Präsentation eine weitere Sicht auf diese Alltagsdinge eröffnen – auf die Gestaltungsvariationen. Vielleicht geht es Ihnen nach einem Besuch der Ausstellung auch wie mir und Sie betrachten einige Alltagsdinge noch etwas genauer?